Siegfried Lenz: Deutschstunde

Siggi Jepsen, Insasse einer Hamburger Besserungsanstalt, hat in der Deutschstunde versagt und muss den Aufsatz 'Die Freuden der Pflicht' nachliefern. Dem in seiner Zelle Eingeschlossenen drängt sich das Bild des Vaters in die Erinnerung, wie dieser als Polizeihauptwachtmeister in Rugbüll, "dem nördlichsten Polizeiposten Deutschlands", dem international geachteten Maler Max Ludwig Nansen im Jahre 1943 das Malverbot überbringt. Der Vater war außerdem beauftragt, die strikte Einhaltung des Verbots zu überwachen. Siggi, damals zehn Jahre alt, hatte heimlich gemalte Bilder des Malers in Sicherheit gebracht, um sie vor dem Zugriff des Vaters zu schützen, der bis über das Kriegsende hinaus an seiner nun schon krankhaften Pflichttreue festhält. Um diese Geschichte gegensätzlicher Pflichtauffassungen gruppiert sich eine Fülle von Nebenhandlungen, die sich wie selbstverständlich in den weit gespannten Rahmen fügen.

Sehr gut schreibt Siegfried Lenz in diesem Buch über das Leben im nördlichsten Zipfel Deutschlands. Eine ländliche, kleinbürgerliche Gegend mit ihren sehr eigenen Bewohnern. Wie zufällig fügen sich immer wieder Beschreibungen von Land und Leuten in die Geschichte ein. Diese ist durchaus interessant, eine andere Art der Vergangenheitsbewältigung, nicht wie ein Großteil der Nachkriegsliteratur.
Anfangs brauchte ich ein bisschen, um mich in die Geschichte einzufinden, mich mit dem Stil von Lenz zu arrangieren. Doch dann gefiel es mir sehr, sehr gut.
5.2.05 20:13


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Luise Rinser: Geh fort wenn du kannst

1943-1946. Partisanenkämpfe in Italien. Die in der ersten Person Erzählende macht gemeinsame Sache mit Angelina, Tochter aus großem Hause. dem widerstand angehörig, dem Kommunismus zugeneigt. Nach Kämpfen in den Bergen auf der Flucht getrennt, treffen die beiden Mädchen sich in einem verlassenen Kloster wieder. Sie versuchen, es instand zu setzen. Die Nonnen kehren zurück. Angelina, innerlich gewandelt und gefestigt, und die Freundin entschließen sich, Novizinnen zu werden. Sie entsagen. Angelina nimmt Abschied vom immer noch Geliebten. Zwang und Freiheit heben sich in einer höheren Bedeutung auf: Geh fort wenn du kannst. Der Klosterspruch bewahrheitet sich als Gesetz. Die Novelle und ihr Sinn greifen über die Konfession, von der sie geprägt sind, hinaus ins Allgemeine des Glaubens und der Existenz.

Relativ kurz ist dieses Buch, 133 Seiten. Und doch steckt so viel darin. So viele Gedanken und so viel Nachdenken. Angelinas Wandel von der Widerstandskämpferin zur Nonne ist bemerkenswert und sehr schön, zu lesen. Und immer ist Giulia dabei, die die Geschichte erzählt, die von Angelina fasziniert ist und durch sie auch ihren eigenen Weg findet. Wirklich schön.
6.2.05 16:32


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Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.

Heinrich Heine

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