Isabel Allende: Von Liebe und Schatten

Irene ist Tochter aus einer gutbürgerlichen Familie in Chile, die in den letzten Jahren in finanzielle Nöte gekommen ist. Deshalb führt ihre Mutter ein Seniorenwohnheim, mit deren wunderlichen Einwohnern Irene durch eine besondere Freundschaft verbunden ist.
Bei ihrer Arbeit als Journalisten lernt Irene den jungen Fotografen Francisco kennen. Gemeinsam arbeiten sie an einer Geschichte über das junge Mädchen Evangelina, die angeblich Wunder bewirken kann. Sie werden Zeugen, wir Soldaten in das Haus von Evangelinas Familie eindringen. Anschließend ist Evangelina verschwunden.
Irene und Francisco wollen das Geschehen aufklären und entwickeln dabei eine immer tiefere Zuneigung zueinander. Obwohl sie sich dadurch selbst in Gefahr bringen, versuchen sie auf Missstände in ihrem Land hinzuweisen.


Die Geschichte an sich ist nicht besonders, recht einfach. Was dieses Buch aber trotzdem zu etwas Besonderem macht, ist der Stil, die Erzählweise. Isabel Allende schildert Situationen so ergreifend und weiß auch, andere Situationen entsprechend zurückhaltend zu beschreiben. Ein eher ruhiger Roman über eine sehr unruhige Zeit. Die Liebe spielt eine wichtige Rolle. Aber sie ist nicht das Hauptthema. Im Vordergrund steht vor allem die Entwicklung Irenes zu einer Art Revolutionärin, mit Francisco an ihrer Seite. Und eine gewisse Spannung zieht sich durch die ganze Geschichte... Lesenswert.
2.4.05 16:27


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Isaac B. Singer: Schoscha

Warschau in den frühen dreißiger Jahren ist der Schauplatz dieser Liebesgeschichte zwischen dem Schriftsteller und Ich-Erzähler Tsutsik und Schoscha, der kindlich-naiven Gespielin aus den Tagen der Kindheit. Die Beziehung stößt auf Unverständnis, vor allem bei den Frauen, die Tsutsik für sich gewinnen wollen: Betty, die amerikanische Schauspielerin, die sein Talent bewundert; Celia, eine ältere verheiratete Frau; Thekla, das Zimmermädchen vom Lande, und Dora, die leidenschaftliche Kommunistin. So unsicher und zaghaft Tsutsik in seiner literarischen Arbeit auch scheint, so egoistisch seine Neigung zu anderen Frauen auch sein mag, so standhaft zeigt er sich in seiner Liebe zu der ihm vertrauenden, in ihrer irrealen Welt lebenden Schoscha. Ihretwegen verzichtet er auf die Flucht in die Vereinigten Staaten, als Polen von Hitlers Blitzkrieg bedroht wird, ihretwegen beschließt er, sein ungewisses Schicksal zu tragen.

Ein interessantes Buch. Ich bin ein wenig fasziniert von Tsutsik, der ist ein sehr toller Mann. Aufgeregt hat mich dagegen Schoscha, so jemand Naives, das geht mir absolut gegen den Strich. Aber dafür ist die Liebe zwischen diesen beiden auch wieder ungewöhnlich faszinierend. Ich bin etwas hin und her gerissen, wie ich dieses Buch finden soll. Auf jeden Fall ist es, wie gesagt, interessant.
17.4.05 23:48


Alois Prinz: Lieber wütend als traurig

Mit Anfang dreißig hatte Ulrike Meinhof erreicht, wovon andere träumten: Sie war renommierte Journalistin, wohnte mit ihrem Mann und den beiden Töchtern in einer Villa in Blankenese und gehörte zur linken Party-Szene in Hamburg und Sylt. Vielen galt sie als Vorbild ihrer Zeit und ihr Grundsatz lautete 1962 noch: "Schießenderweise verändert man nicht die Welt, man zerstört sie." Doch 1970 ließ sie dieses Leben hinter sich, um in den Untergrund zu gehen und mit Andreas Baader und Gudrun Ensslin die terroristische Rote Armee Fraktion zu gründen. Von nun an galt sie als "Stimme der RAF" - und als "Staatsfeind Nr. 1". Ein radikaler Schnitt, der bis heute schwer nachvollziehbar scheint.

Alois Prinz zeichnet in diesem Buch den Lebensweg einer ungewöhnlichen Frau nach. Detailgenau schildert er ihr Leben von der christlichen Schülerin zur radikalen Terroristin. Und es ist so was von interessant! Trotz eher nüchternem Stil (der allerdings gespickt ist von philosophischen Anmutungen) mag man gar nicht aufhören, zu lesen. Man will wissen, was passiert ist, wie es Ulrike Meinhof ergangen ist, vor allem was in ihr vorgegangen ist. Letzteres erfährt man nicht unbedingt, das ist der einzige Kritikpunkt, aber es ist sicherlich nahezu unmöglich, das genau herauszufinden. Ansonsten ist es aber sehr gelungen und absolut empfehlenswert!
18.4.05 20:42


Erwin Koch: Sara tanzt

Der Cellist Frits, Mitläufer einer brutalen Diktatur, erzählt in der Untersuchungshaft die unfassbare Geschichte seiner Liebe.
Sara Broffe, Deckname Sumatra, übernahm kleinere Aufträge für den Widerstand gegen eine marode Militärjunta. Als sie Anfang der 80er Jahre verhaftet wird, weiß sie nicht viel zu erzählen. Um den Forderungen ihrer Häscher zu genügen, erfindet sie die Übergabe geheimer Dokumente oder konspirative Treffen mit Agenten. Und sie summt Lieder, um die Einsamkeit auszuhalten. Frits, der den Auftrag erhält, die Tonfolgen auf verborgene Botschaften hin zu untersuchen, verfällt Saras Schönheit und ihrer berührenden Menschlichkeit. Zwei Leidenschaften bestimmen seither sein Leben: seine Musik und der riskante Versuch, Sara zu befreien. Mit suggestiver Sprachkraft erzählt Erwin Koch von einer ungewöhnlichen Liebe unter widrigen Umständen.


Wer nun ein Buch erwartet, das straight durch die Handlung führt, wird wohl enttäuscht werden. Alle anderen aber werden wie verzaubert sein. Oft springt Erwin Koch innerhalb eines Absatzes, sogar innerhalb eines Satzes, zwischen Zeiten, Handlungen, Personen hin und her. Eine Geschichte, die so einfach und klar ist, und bei der doch so viel verborgen bleibt. Man könnte "zwischen den Zeilen lesen", das muss man aber gar nicht. Es ist unglaublich, welche Magie von diesen Worten, Sätzen, Absätzen ausgeht. Eine unglaubliche Spannung zieht sich durch das ganze Buch. Immer irgendwo zwischen Polit-Thriller (?) und Liebesgeschichte.
Es hat mir unheimlich gut gefallen, absolut empfehlenswert!
21.4.05 13:29


Shan Sa: Die Go-Spielerin

Virtuos beherrscht die junge Chinesin das Go-Spiel - bis sie dem Zauber eines Mandarin erliegt, der sie zu einem leidenschaftlichen Duell herausfordert. Dabei ahnt die Rebellin nicht, wer ihr Gegner in Wirklichkeit ist: ein Spion der Japaner, die in jenen Jahren die Mandschurei besetzen...

Ein Buch über die Liebe und eine ganz andere Kultur. Berauschend und mitreißend. Ich bin noch ganz gefangen in der Geschichte. Ständig wechselt die Perspektive zwischen der chinesischen Schülerin und dem japanischen Soldaten. Erst ganz langsam, dann aber immer schneller entwickelt sich die Leidenschaft zwischen den beiden. Man taucht ein in diese Welt, leidet und fiebert mit - bis dann das traurige Ende kommt. Ich habe wirklich selten so ein gelungenes Buch gelesen! =)
23.4.05 18:57


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Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.

Heinrich Heine

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