Benjamin von Stuckrad-Barre: Soloalbum

Die Ausgangssituation ist klassisch: Der Ich-Erzähler, gerade mal Anfang zwanzig, ist soeben von seiner Freundin verlassen worden; nach vierjähriger Beziehung nun per Fax der Schlussstrich. Ende, aus, vorbei. Natürlich ist der Verlassene im Moment des Aus so verliebt wie in all den Jahren nicht. Trotz verschiedener "Soloprojekte" in der gemeinsamen Zeit, trotz der gelegentlichen Gastrolle als Single, sozusagen, fühlt sich der Erzähler schlecht wie schon lange nicht. Gebührend wird der Verflossenen hinterher getrauert: Er ruft sie an, legt auf, geht joggen, sicht trinkend nach schnellem Ersatz, um doch nur wieder zurückzufallen, auf sie, auf sich und auf: OASIS. Denn natürlich hört er genau die Musik, die zu all seinem Unglück noch gefehlt hat. "You gonna live forever?" Von wegen...

Grandioses Buch. So jung irgendwie. Klar, das Thema erzwingt das ja irgendwie. Aber der Autor schreibt einfach so aus dem Leben gegriffen. Zeitnah. Und immer mit einer Portion Satire, Zynismus, Ironie. Einfach gut. :]
14.5.05 15:04


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Judith Hermann: Sommerhaus, später

Zwei Frauen, die auf einer Insel ein Spiel spielen, das "sich so ein Leben vorstellen" heißt. Ein Premierenfest, das ein unerwartetes, frühmorgendliches Ende in der Wohnung des Regisseurs findet. Ein Mann, der in einem Sommerhaus an der Oder Besuch erhält und an eine Vergangenheit erinnert wird, die er nicht mehr kennen will. Judith Hermanns Figuren inszenieren sich ihr Leben, sie lassen sich nur passiv oder als Zuschauer, nur spielerisch in "Lebensläufe" ziehen.

Eigentlich bin ich Kurzgeschichten gegenüber ja immer sehr skeptisch, aber diese Geschichten gefallen mir sehr. So zart schwebend geschrieben. Zwischen Traum und Realität. Ob über "normale" Menschen, weiß man auch nicht so genau. Eine kleine Sequenz, das Vor- und Nachher darf man sich selbst denken. Und gerade diese Offenheit macht die Erzählungen immer wieder anders. Traumhaft. =)
20.5.05 18:59


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Von allen Welten, die der Mensch erschaffen hat, ist die der Bücher die Gewaltigste.

Heinrich Heine

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